Kopfkino

Attacke – Trek Bike Attack 2013

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So – geneigte Freunde der Bergabfahrkunst. Dieses Jahr war es wieder soweit, ich habe erneut an einem Downhill/Freeride Rennen teilgenommen. Das letzte Rennen liegt nunmehr zwei Jahre zurück. Letztes Jahr konnte ich bedingt durch den Job nicht teilnehmen.
Also dieses Jahr wieder auf zur Trek Bike Attack nach Lenzerheide.

Da ich nicht der einzige Fahrer aus dem Bekanntenkreis war, traten wir direkt als Team auf. Teamname United Colors of Hämatom. Der Name war natürlich Programm 😉

Um es kurz zu machen. Anreise am Dienstag sehr spät durch Daniel und mich.
Der Rest des Teams war bereits dort oder folgte noch oder musste gar absagen.
Mittwoch dann bei adäquatem Wetter die ersten Runden auf den lokalen Trails.
(ach ja, ich saß zuvor seit ca. einem Monat wieder nicht auf dem Rad. Insofern bemerkte ich einen gewissen, konditionellen Rückstand. Den galt es aufzuholen)
Auf die neue Strecke konnten wir nicht, da der Wind ordentlich blies und am Nachmittag nicht mal mehr eine Gondel bis zur Mittelstation des Rothorns fuhr. Nun denn.
Am Donnerstag dann Wetterumschwung. Über Nacht etwas Regen, am Morgen tief hängende Wolken und fieser Nebel.
So konnten wir aber zunächst einmal auf die Strecke.
Erst im Nebel heran tasten (die Strecke ist aufgrund von Umbaumaßnahmen im obersten Teil neu). Blindflug.

P.S.: bei der Trek Bike Attack (TBA) unterscheidet man aus Sicht der Strecke zwischen Qualifikation und Rennen. Rennen ist gleich Qualifikation plus ordentlich Tretpassagen und zusätzliche 8km oder so. Qualifikation ist von ganz oben vom Rothorn hinab zur Talstation. Rennen dann weiter bis Churwalden.

Auf die erste Runde im Nebel folgte dann der erste Versuch im Renntempo (ok, Qualifikationstempo). Das war gar nicht so geplant.
Doch plötzlich hatte ich oben Sicht und gab einfach Gas. Daniel und Schotti folgten.
Weiter unten wurde es zur reinsten Schlammschlacht. Im Tal angekommen umgab mich eine Einheitsfarbe – matschbraun. Hach, einfach wunderbar. Aber irgendwie muss man ja trainieren.
Daniel stand etwas Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben, da ich ohne Absprache auf die Tube gedrückt hatte.
Unter uns: im Nassen ist die Strecke verdammt fies. Es gibt Abschnitte, da setzen sich die Reifen einfach nur zu und man rutscht den Berg hinab. Bremsen? Lenken? Schuss ins Ungewisse 🙂
Den Abschluss bildete eine leckere Abfahrt gen Alp Sanaspans bzw zum Wasserfall. Hier biegt man quasi direkt ab zu unserer Unterkunft.

Am Freitag begann das freie Training und man konnte sich offiziell anmelden, was wir auch taten.
Den Rest des Tages begleiteten zwei Abfahrten im Regen. Nur bedingter Spaß.
Ich mag mich auch irren und am Freitag machten wir die zuvor beschriebene Tour zur Alp Sanaspans. Vergessen.

Am Samstag dann die Quali. Diese startet um 13:00 Uhr vom Gipfel des Rothorn. Meine Startzeit entspricht einer Startnummer, welche wiederum durch die Anmeldezeit definiert wurde. Ich habe mich spät angemeldet und bekam eine für mich leicht zu merkende Nummer 567 verpasst.
Startzeit 15:22:15 Uhr. Gestartet wird im Abstand von 15 Sekunden.
Einher mit der Startzeit geht eine Zeit für das Eintreffen an der Talstation. Dumm nur, wenn sich nicht alle dran halten. Also fahre ich hinauf zur Mittelstation. Hier steigt man um in eine große Gondel.
Davor eine lange Schlange mit vielen 600er Startnummern. Ganz toll und fair von den Leuten. Belegen Plätze in der Gondel.
Argumentation: „Das war ja schon immer so. Jedes Jahr. Muss man halt früher auf den Berg“
Ja ja, schön und gut.
Also bisserl vorgedrängelt. Half aber nur bedingt, da noch unbedingt eine Hochzeitsgesellschaft auf den Berg musste. Ohne Worte.
Also traf ich viel zu spät oben ein.
In der Ungewissheit um meine neue Startzeit sprang ich quasi direkt aus der Gondel an die Startlinien. Mein Plan, mich vorab warm zu machen, war dahin. Und das rächt sich spätestens nach den ersten Metern. Dann fangen die Beine sofort an zu brennen.
Egal, also hinab. Weiter hinab.
Meine Quali lief super und ich hatte ein gutes Gefühl. Leider wurde ich im unteren Teil erneut ausgebremst. Rufen und Anfeuern half nichts, ich konnte nicht überholen (das Risiko ist mir dann doch zu hoch). So setzte ich gefühlte 15-20 Sekunden in den Sand. (im Nachhinein nicht ganz so schlimm, da der Abstand zur nächsten Sektion beim Rennen bei ca. 30 Sekunden lag. Ich glaube nicht, dass ich für 30 Sekunden ausgebremst wurde).
Wie es der Zufall nun will, waren Daniel und ich fast auf die Sekunden identisch. Ich war am Ende nur eine Sekunde schneller. Und das, obwohl wir mit mehr als 100 Leuten zwischen uns gestartet sind. Cool.
Insofern hatten wir am kommenden Renntag den gleichen Startblock.
Nach der Quali sind wir nochmals eine Runde über die Alp Sanaspans gefahren. Bernd und Lorin waren mit von der Partie. Zwei weitere ‚Hämatome‘.
Erwähnt sein soll, dass Samstag fantastisches Wetter die Fahrt begleitete. Näherungsweise perfekt.

Am Sonntag nun das Rennen. Dazu ein paar Erklärungen.
Je nach Ergebnis aus der Qualifikation wird man einem Sektor zugeteilt. Davon gibt es 10 an der Zahl. Die Sektoren 0 und 1 sind für die ganz ganz schnellen Fahrer. Dort kommen auch nur 5 (Sektor 0) respektive 25 (Sektor 1) hinein. Sektor 2 hat dann noch 80 Leute, die restlichen Sektoren dann immer 100 Starter.
Wo man in seinem Sektor startet, überlässt man den Startern selbst. Pro Reihe passen nur bedingt viele Leute nebeneinander (siehe Bilder). Wo man also steht, entscheidet, wie früh man auf dem Berg ist 😉
Daniel und ich sind um 06:15 Uhr aus dem Haus und waren gegen 7:00 Uhr auf dem Berg. Und da waren wir schon recht spät am Start.
Im Grunde ist die Position im Sektor auch total schnuppe, sobald man nicht mehr in Sektor 0-3 startet. Danach gibt es quasi keine Chancen mehr für eine gute Platzierung.
Zum Rennen. Wie immer starten alle gleichzeitig. Bis sich aber hinten was bewegt, vergehen ein paar Minuten. Bis man auf dem Rad sitzt und fährt, schiebt man ein paar Minuten und Meter.
Nach ein paar Kurven und auch der ersten engen Passage fuhr ich mir dann einen Platten ein. Quasi der worst case. Blöd.
Noch viel ärgerlicher folgender Umstand: am Abend zuvor haben wir noch die Räder gewartet. Ich wollte, insbesondere für die Tretpassagen, auf einen leichten Reifen am Hinterrad setzen. Daniel rat mir von ab. Als Kompromiss nahm ich einen Reifen von ihm. Der lag beim Pannenschutz zwischen meinem bisherigen Reifen und meine ursprünglichen Wahl.
Also war ich eventuell selbst Schuld an dem Missgeschick. Eventuell war es aber auch ein so heftiger Durchschlag, den auch mein fetter Reifen nicht überstanden hätte.
Der Platten erfolgte in einer denkbar ungünstigen Passage. Eng (nur eine Spur), überall Steine und ein Schrott zuviel und man landete viele Tiefenmeter weiter unten. Also musste ich erst einmal aus dieser Passage heraus (schieben) und mir ein Plätzchen zur Wartung suchen.
Zwischenzeitlich fuhr das gesamte Feld an mir vorbei. Auf dem Berg da oben blieben nur die, die ein ähnliches Schicksal erlitten. Ich ärgerte mich natürlich immens.
Nach ein paar Minuten hatte ich den Reifen geflickt (CO2-Kartuschen sind manchmal echt wertvoll) und konnte mein Rennen fortsetzen. Der Reifen hinten war extra hart aufgepumpt – man weiss ja nie. Aber das hoppelt schon ganz ordentlich.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich niemanden mehr hinter mir und niemanden mehr direkt vor mir. Nur noch einzelne Fahrer.
Super, so konnte ich mein Rennen den Berg hinter fahren, mein Tempo fahren. Bis ins Tal hatte ich schon wirklich viele Fahrer überholt.
Na klar – für eine gute Zeit konnte es nicht mehr reichen. Aber Ãœberholen motiviert ungemein.
Ab Talstation folgte die nächste Anstrengung. Aber ich fühlte mich gut und konnte das Rennen ohne einmal absteigen zu Ende fahren. Die Anstiege sind sehr anstrengend, jedoch bin ich allesamt durchgefahren. Im Ziel war ich erledigt, aber hatte noch etwas Kraft.
Ergebnis am Ende: Platz 442 bei den Herren (die Damen sind eine halbe Stunde zuvor gestartet, habe aber noch einige Mädels überholt)

Nun aber genug.
Hier die Ergebnisse vom Rennen

Und nun ein paar Eindrücke.

7 Kommentare

  1. Heja! Tolle (Landschafts-)Bilder, schöne Motion Pictures von Dir. Krasse Leistung, trotz Panne! Respekt!
    Gruß aus dem Süden
    Carsten

  2. Hallo Torsten,
    die Seilbahnen sind ja krass hoch vs. Harz – so wie das ganze Gebirge auch! ;))

    Im Ernst: wirklich tolle Fotos – Lob an den Fotografen für die „Action-Shots“ – was ich mich bei dem einem Bild allerdings frage ist, wie jeder sein Bike wiedergefunden hat…

    Gruß aus dem Länd’le – MARKO

    • Ja klaro, ein wenig höher als im Harz ist es dort schon. Aber das muss ja auch so sein.
      Das mit dem Finden des Bikes ist nicht so schwierig. Schwieriger hingegen ist das Aufrichten des Rads. Holla.

  3. heidiho,

    sehr cooler bericht! *THUMPSUP* nur die tour zur alp sanaspans war tatsächlich erst am freitag. aber zugegeben: donnerstag und freitag verwischen irgendwie in einer großen regen- und nebelwolke 😉

    hoffe euch geht´s gut und ihr geniesst euren urlaub – wo auch immer … 😉

    viele grüße,

    daniel

  4. Sehr sehr schön!

    Ein paar Ecken kommen mir fast bekannt vor … und alleine für tollen Bilder „in Action“ hat es sich gelohnt. 🙂

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