Kopfkino

Banff – schön und etwas enttäuschend zugleich

Wie im letzten Beitrag beschrieben, führte uns die letzte Teilstrecke von Salmon Arm in den Banff Nationalpark. Revelstoke ist einer der größeren Orte, der auf der Strecke liegt – hier war Einkauf, Auftanken und Bargeld abheben angesagt.
In Banff angekommen, wählten wir einen der großen Campingplätze am Tunnel Mountain. Dies war wirklich der erste Platz, auf denen Massenabfertigung auf dem Programm stand. Es gab keine richtige Rezeption, keinen Laden, keine Waschmaschinen. Die einzelnen Stellplätze an sich waren aber schön im Wald integriert, mit Picknick-Tischen und ein paar Bäumen drum herum.

Am ersten Abend ging es für Torsten und mich noch einmal spontan in die Stadt. In der Stadt Banff – die die höchstgelegene Kanadas mit 1.400m ü.NN. ist – gibt es drei Buslinien. Alle drei Linien verkehren alle 40 Minuten. Wir hatten Glück mit der Taktung und waren nach einer 10-minütigen Fahrt in der Innenstadt angekommen. Eine kleine, nette Einkaufsstraße mit nur zweietagigen, hübschen Häusern und jeder Menge Läden, Restaurants und Pubs hieß uns willkommen. Sehr touristisch. Nachdem wir auf dem Campingplatz schon so viel leckeren Geruch vom Grillen der Nachbarn vernommen hatten, lockte es uns in ein Lokal namens Coyotes Grill. Dort gab es für uns dann auch lecker Steak und Burger.

Und an dieser Stelle die kleine Anekdote, auf die Torsten zuletzt schon verwiesen hat. Das Stichwort war, dass wir bisher wirklich Glück hatten mit dem, was wir schon gesehen und erlebt hatten. Im Restaurant kamen wir mit einem Ehepaar aus Chicago ins Gespräch. Es war ihr letzter Abend in Banff, bevor es über Montana wieder mit dem Zug zurück nach Hause ging. Sie hörten so begeistert und gefesselt zu, als wir von unseren Bären- und Walsichtungen erzählten – wohl bemerkt Grizzly- und Schwarzbären, sowie Orca und Buckelwal – das wir fragten was sie gesehen hätten. Antwort: Eichhörnchen und einen Hirsch. Oh je! Soviel dazu…

Am Folgetag zogen wir zu fünft in die Stadt, um uns zunächst im Visitor Center zu informieren und dann einen Plan für die verbleibenden Tage zu schmieden. Anschließend gab es noch einen Bummel durch die Stadt und dann ging es einen kleinen Wanderweg am Bow River entlang, an kleineren Wasserfällen vorbei, bis hin zum weltberühmten Fairmont Hotel. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Camping Platz zog es Torsten und mich dann noch in die Hot Springs auf der anderen Seite der kleinen Stadt. Diese heißen Quellen (27° und 40°) sollten etwas zur Entspannung am Abend beitragen. Na ja, sagen wir so – das Preis- Leistungsverhältnis war gut. Mit unserem Rabatt von Canadream (Vermieter des WoMo’s) haben wir pro Nase $6 bezahlt, geboten wurde dafür ein gefliester Pool mit 40° warmen, chloriertem Wasser – alles andere als natürlich. Zeitweise habe ich 70 Personen im Wasser gezählt. Schade, aber für das Geld in Ordnung. Nach 45 Minuten war es uns dann wirklich zu heiß und wir beendeten das Geplansche.
Jetzt kommen wir zu einem der Haken an Banff – wie oben beschrieben: 3 Buslinien. Wir mussten nun auf dem Rückweg umsteigen. Pech gehabt – unser Bus Richtung Campingplatz stand an der Haltestelle und fuhr los, als der Bus, in dem wir saßen, an der Haltestelle ankam. Der aufmerksame Leser wird nun schon wissen was kommt: 40 Minuten Wartezeit! Dies um 9 Uhr abends! Nee, wirklich nicht! Klar, man hätte in eine Bar stolpern und ein Bier trinken können, wir entschieden uns an diesem Abend aber (zunächst) für die sportliche Variante und liefen zu Fuß zum Campingplatz. Ja richtig, ich schrieb zuvor, dass dieser am Tunnel Mountain ist. Die Betonung liegt auf Mountain = Berg. Gegen 10 Uhr waren wir dann am WoMo – dann gab es aber wirklich noch ein Bier.
Etwas kniffelig fand speziell ich, dass die Straße nicht durchgehend beleuchtet war – und wir sind immerhin im Bärenland.

(Am nächsten Tag trudelten auch schon eure ersten Anfragen ein, ob wir noch am Leben sind, weil so lange kein Blog-Eintrag kam. Nein – es ging alles gut, wir wurden nicht zu Bärenfutter verarbeitet und haben lediglich eine suboptimale Internetsituation auf unseren letzten und aktuellen Campingplätzen.)

Der zweite, komplette Tag in Banff verlief für uns fünf in zwei Gruppen. Sylvie, Daniel und Niklas waren am Lake Minnewanka , während Torsten und ich mit dem Bus (die gleiche Route inkl. Umsteigen vom Vorabend) zur Gondel fuhren. Dort startet ein Wanderweg auf einen der höheren Berge um den Ort Banff herum. Knapp 600 Höhenmeter, 5,5 Kilometer Wegeslänge und 1 Stunde 45 Minuten später standen wir oben. Das war eine schöne, aber auch anstrengende Tour zugleich. Am Gipfel ging es noch ein Stück weiter hoch, als die Gondel fährt und wir hatten einen herrlichen Überblick über Banff und den Nationalpark. Für den Rückweg entschieden wir uns für die Gondel.
Der Haken an dem Ausflug: es war Samstag und der Gipfel, wie auch das Anstehen an der Gondel, erinnerte mich an Massentierhaltung. Keine Ahnung woher die alle kamen aber es waren ganze Busgruppen unterwegs und selbst auf dem Trail bergauf war einiges los. Wir haben also außer Eichhörnchen auch keine Tiere sehen können. Schade.
Der Rückweg führte uns wieder mit dem Bus nach Hause – wer keine Lust auf eine zweite Bus-Geschichte hat springt hier bitte direkt zum nächsten Absatz.
Also – wir wieder mit dem ersten Bus bis in die Innenstadt. An diesem Tag sollte erstmalig ein Triathlon in Banff statt finden und die Hauptstraße war gesperrt, auch der Bus fuhr eine Umleitung. Soweit okay. Wussten wir vom Vorabend. In der Innenstadt angekommen und an der Ersatzhaltestelle ausgestiegen war es 17:50 Uhr. Bis 18:16 Uhr standen wir dort und warteten auf den Bus. Nix passierte. Der Bus sollte 18:02 Uhr kommen, wobei wegen des Triathlons mit Verspätungen zu rechnen war. Na ja. Dann vor zur Hauptstraße gelaufen sehe ich plötzlich, dass die Umgehung bereits aufgehoben wurde. An der Ersatzhaltestelle aber kein Hinweis dazu. Toll. Vorgegangen zu eigentlichen Bushaltestelle – der nächste Bus kommt in 26 Minuten. Super. 19 Uhr waren wir dann zu Hause. Auf den ersten Bus hatten wir seit 17 Uhr gewartet – in Summe also 2 Stunden für eine Strecke von ca. 6km.

So schnell sind 2,5 Tage in Banff auch wieder rum und der Folgetag führte uns zunächst nach Lake Louise, was auch noch im Banff Nationalpark liegt. Statt über den großen Highway, fuhren wir eine kleinere Straße und hatten noch ein paar schöne Ansichten auf die Rocky Mountains, Flüsse und in die Wälder.
Der Lake Louise soll der meist fotografierte See weltweit sein und war wunderschön, nur leider wieder – total überfüllt! Wir haben keinen Parkplatz bekommen und am Rande des Sees quetschten sich die Busgruppen nur so.
Der Weg führte uns dann zurück nach Revelstoke – die einzige Doppelstrecke, die wir während der 4 Wochen eingegangen sind, und dann noch 22 km südlich auf einen kleinen abgelegenen Campingplatz mitten im Grünen am Upper Arrow Lake.
An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass wir in Revelstoke noch einmal den selben Supermarkt, wie ein paar Tage zuvor, angesteuert haben, weil es da endlich mal ordentliches Brot gab. Juhuu 🙂

Vielleicht hatten wir es mit den Tagen Donnerstag bis Sonntag wirklich schlecht abgepasst, aber wir waren wirklich enttäuscht von den Menschenmassen bei der Gondel und dem Lake Louise und auch von den Buszeiten. Wie kann man denn nur drei Buslinien haben und die Abfahrtszeiten so gar nicht aufeinander abstimmen? Auch der Campingplatz war eher auf Masse, denn auf Klasse eingestellt (mehr als 600 Stellplätze!).
Gefallen hat uns die Natur und auch das Wetter war sagenhaft, jeden Tag strahlend blauer Himmel und Sonne, dennoch mussten wir morgens im WoMo ordentlich heizen, denn Nachts wurde es schon richtig kalt und die Wände haben eine Dämmung von circa Null :-/

Inzwischen sind wir weiter gezogen, uns bleiben noch 5 Tage, aber davon lest ihr dann im nächsten Eintrag mehr.