Kopfkino

Elchpark – Blick auf Vättern – Abschied vom Göta Kanal

Da wir mit unserer Reisekonstellation eher nicht abends in der Dämmerung an Waldrändern und Lichtungen unterwegs sind, sind unsere Chancen Elche zu sehen doch eher rar. Rehe hingegen haben wir schon sehr viele gesehen, am Straßenrand und auf Wiesen und Feldern.

Wenn wir also in Schweden einen Elch sehen wollen, sollten wir uns in einen Park begeben. Wir folgten der Empfehlung eines Landsmannes und fuhren von Karlstad etwa 1,5 Stunden Richtung Norden zu Värmlands Älgpark. Hier geht es nicht ganz so touristisch zu, wie in anderen Parks – naja, zumindest nicht mit der Bimmelbahn durch das Gehege.

In Värmlands Älgpark wurde zunächst sehr viel über die Elche, deren Verhalten, Nahrung, Feinde, Jagd und so weiter erzählt. Dann gab es eine schöne Wanderung über Wiesen und durch den Wald, am Rande eines großen, abgesperrten Geheges entlang. Wölfe und Bären sind hier der Feind der Elche.

Wir bekamen die Chance Mama-Elch mit einem 10 Wochen alten Baby-Elch zu sehen und mit Ästen, Äpfeln und Karotten zu füttern und wir sahen noch einen etwa einjährigen Elch.

Nach einer weiteren Wanderung kamen wir in einen Bereich, wo nun ein 7-jähriger Elch zu sehen sein soll und tatsächlich – wir warteten nicht lange, dann kam er aus dem Wald. Seine Schulterhöhe war schon eher die durchschnittliche Körpergröße von Erwachsenen, das Geweih hatte je Seite (eher zufällig) 7 Enden. Was für ein prächtiges, riesiges Tier!
Auch hier durften wir füttern und streicheln, bevor der Elch wieder in den Wald ziehen durfte. Ein tolles und einmaliges Erlebnis!

Dies war nun aber wirklich unser letzter Ausflug ab Karlstad, wir starten eine etwas weitere Fahrt mit langer Pause und finden uns schließlich am Vättern wieder. Dies ist nach dem Vänern der zweitgrößte See Schwedens und auch hier gibt es im Osten und im Westen eine Verbindung zum Göta Kanal.

Wir campieren im Osten des Sees direkt am Wasser in Vadstena. Den Ort erkunden wir mit dem Rad und entdecken ein schönes Schloss, der ehemalige Schlossgraben ist heute Teil des Hafens. Wir finden eine kleine Rösterei und haben eine sehr nette Unterhaltung mit dem Inhaber bei sehr gutem Kaffee. Ein Ausflug führte uns noch nach Motala, wir wollten doch mal wieder den Göta Kanal sehen. Eine kleine Runde durch die Altstadt, im Stadtpark einen wunderschönen Spielplatz bespielen, etwas an der Promenade entlang laufen – je ½ Tag genügt uns für Vadstena und Motala.

Nun reizte uns noch das Ost-Ende des Göta Kanals, Söderköping soll der schönste Ort Südschwedens sein und nur 5km weiter fließt der Kanal bei Mem in die Ostsee.

Endlich bekamen wir nach weiteren 24h Dauerregen wieder Sonne und etwas wärmere Temperaturen (19C) und so erkundeten wir Söderköping mit dem Rad. Vom Campingplatz aus ging es am Göta Kanal entlang zum Gästehafen und der Promenade, zu Fuß in die Altstadt und auf einen Berg, von dem man einen guten Überblick bekommt. Das „beste“ Eis laut vielerlei Reiseführer testeten wir auch.  Schon bei der Einfahrt in die Stadt sahen wir, dass ausgerechnet an diesem Wochenende ein großes Mittelalterfest sein sollte und so wunderte es uns auch nicht, dass wir geradeso den letzten Stellplatz mit Strom ergattern konnten. Sonst sind ja alle Campingplätze wie leer gefegt, aber hier hatten natürlich alle reserviert 🙂

Unser Resume ist: Söderköping / Mem besuchen, Vadstena und Motala eher nicht. Dafür könnte man aber noch einen Stop an anderer Stelle des Kanals, z.B. in Töreboda oder Forsviks Bruk einlegen. Das haben wir ausgelassen, da für die Passagierschiffe eh schon das Ende der Saison erreicht war – sehr schade!

Nachdem ich ja schon zwei Folgen der WDR Reihe „wunderschön“ über Pellworm und Dänemark empfohlen hatte, so möchte ich doch an dieser Stelle noch unbedingt die über Südschweden empfehlen. Sie ist zu finden in der ARD Mediathek und der Reporter fährt mit dem Rad am Göta Kanal entlang und mit dem Schiff M/S Wilhelm Tham 3 Tage auf dem Kanal.
Vielleicht faszinierte mich der Kanal aufgrund dieser schönen Reportage so sehr, ich fand es einfach wunderschön – wie auch der Titel der Sendung ist – und auch faszinierend, wenn man bedenkt, dass dieser einst von 60.000 Soldaten 22 Jahre lang gegraben wurde!



Auf zum Vänern

Wir lassen Göteborg hinter uns und steuern den Vänern an. Es ist der größte See Schwedens (und drittgrößte Europas) mit einer Fläche von 5648km2.

Für eine Fahrpause stoppen wir in Trollhättan am Wasserkraftwerk und starten eine kleine Wanderung Richtung Schleuse und Stausee am Ufer entlang.

Tagesziel und Ziel für nunmehr 5 Nächte ist der Ort Lidköping, ganz im Süden des Vänern See. Von hier aus starten wir diverse Ausflüge, so z.B. zum Schloss Läckö, zu einem Bauernhof, zum Kinnekulle und wir füllen unsere Vorräte in der Stadt auf und sehen uns die Altstadt an.

Das Schloss ist auf einer Landzunge ganz nett gelegen und anzusehen, jedoch kann man innen nur sehr wenig (bzw. sehr inszeniert) besichtigen. Der Schlossgarten hingegen ist eine Augenweide für jeden Gärtner und hier gibt es jede Menge zum Ernten, was direkt im angeschlossenen Restaurant verarbeitet wird. Dennoch genießen wir diesen Ausflug, machen ein paar schöne Familienfotos auf einem Badesteg, laufen um das Schloss herum und verabschieden uns dann Richtung Fischerdorf Spiken. Ja es ist recht touristisch, dennoch nett anzusehen und wir essen leckeren Fisch direkt am Wasser. Anschließend beobachten wir einige Bootsführer, wie sie ihre Boote ins Wasser lassen, bzw. wieder auf einen Trailer aufladen.

Der Bauernhof Stadsnära Lantgarden hingegen war gar nicht touristisch, sondern ein richtig idyllisches, typisch schwedisches, Örtchen. Ein toller Hof mit den markanten roten Häusern, Hasen, Hühnern, einem schwarzen Kater, Schweinen, Schafen, Ziegen und Pferden und man kann in einer Holzwerkstatt selbst ein bisschen Hämmern oder Sägen. Hier würden wir definitiv wieder herkommen. Der Kaffee, der vermutlich schon den ganzen Tag in der Kanne war und durchzog, lag mir allerdings schwer im Magen und wird auch in Erinnerung bleiben.

Auf unserem Campingplatz genossen wir auch die direkte Lage zum See und den tollen Spielplatz, zum Baden war es jedoch leider schon zu kühl. Hier fiel uns wieder auf, dass, ebenso wie in Göteborg, unzählige Wildgänse vor Ort sind. Mit den Fahrrädern waren wir auch schnell in der Stadt und konnten die Altstadt erkunden.

An einem weiteren Tag zog es uns zum Kinnekulle, dem 306m hohen Hausberg der Region. Hier kann man diverse Wanderungen machen oder auch nach einer kleinen Wanderung einen Holzturm besteigen, um eine noch schönere Aussicht über den See zu genießen. Hier erwischte uns jedoch – mal wieder – die volle Breitseite der Nebensaison (sobald die schwedischen Sommerferien enden) und der Turm war an diesem Tag geschlossen.

Für einen kürzeren Zwischenstopp zog es uns für zwei Nächte nach Mariestad. Auch hier konnten wir prima mit den Rädern zum Stadtkern fahren, sogar mal ein Eis genießen, aber auch an einem Abend im Restaurant Burger und Fisch essen. Ein Ausflug führte uns noch weiter nördlich nach Sjötorp, dort fließt der Göta Kanal in den Vänern.

Der Kanal ist quasi der Nord-Ostsee-Kanal Schwedens mit 190km Länge, geht durch diverse Seen und verfügt über 58 Schleusen. Wir hatten darüber einiges in einer Doku gesehen und finden es sehr spannend. In Sjötorp sehen wir einige Schleusen, jedoch leider keine Boote mehr – Nebensaison! Dann recherchieren wir etwas im Internet, fahren mit dem Auto in einen Nachbarort und „jagen“ quasi ein Schiff. Ha! Gefunden! So können wir sogar noch live eine Schleusung sehen! Ein ganz toller Abschluss.

Da (mal wieder) einiges an Regen angesagt ist und wir auch einer weiteren Empfehlung von Hermann folgen wollen, ist unser nächstes Ziel Karlstad. Von der etwas größeren Stadt mit 65.000 Einwohnern erhoffen wir uns auch Möglichkeiten für Schlechtwettertage. Mit den Rädern ist es leider zu weit in die Stadt, aber bei sehr günstigen Parkgebühren ist auch das Auto eine gute Alternative. Wir gehen etwas Shoppen, trinken einen Kaffee, fahren mit einer Bimmelbahn. Zum Geburtstag waren wir in einem schönen Stadtpark, toll angelegt, diverse Spielplätze und auch einiges an Ställen und Tieren vorhanden. Auch diesen tollen Park – Mariebergsskogen – würden wir gerne wieder besuchen. Schließlich ging es noch ins städtische Schwimmbad, das sich inkl. Kinderbereich wirklich sehen lassen kann. Insgesamt, Spielplätze und solche Dinge rund um Familien – das können die Schweden!

Leider konnten wir unseren super schönen Badestrand vor Ort gar nicht nutzen, es war einfach wieder zu kalt oder zu nass oder beides.