Kopfkino

Kanada allgemein und über das Camping

Kanada

Wir hatten es schon zuvor gelesen und können es nur bestätigen: die Kanadier sind super freundlich und hilfsbereit. Dazu könnten wir nun x Anekdoten niederschreiben, aber dann bleibt ja nun gar nichts mehr zum Erzählen.

Allgemein gibt es schon einige Parallelen zum Nachbarland USA, jedoch auch einige Unterschiede.
Die Stromleitungen zieren zum Beispiel, genauso wie in den USA, die Straßen und verschandeln teilweise ganz schön die Landschaft.
Was jedoch sehr positiv auffiel, sind die Supermärkte und das Angebot an Obst und Gemüse. Hier gibt es viel frische Ware und man kann auch alle paar Kilometer direkt bei einem Farmer einkaufen.
Man sollte für den ersten großen Einkauf also nicht unbedingt eine große Kette wie Walmart ansteuern – Kanada hat wirklich Besseres zu bieten. Wir sind begeistert!
Klar sind Lebensmittel auch teurer als in Deutschland, das liegt aber eher an unseren heimisch niedrigen Preisen. Wir waren sehr froh, dass wir uns weitestgehend wie zu Hause ernähren konnten.
Auffällig war weiterhin, dass es in jedem Ort – und ja, wirklich in jedem Ort – mindestens einen Golfplatz gab. Das scheint wirklich die Sportart für Jedermann zu sein.
Auf den Straßen sahen wir viele Volkswagen, darunter besonders Jetta, und Golf der älteren Generationen, aber auch mal einen top modernen GTI. So einen super schicken Polo Blue GT haben wir hingegen nicht gesehen ;o)
Was schon fast nervte: an jeder Ecke Deutsche! Ich hatte bisher gar nicht so wahrgenommen, dass Kanada das gefragte Urlaubsland unter den Deutschen ist, aber wir haben wirklich immer wieder welche getroffen.

Dennoch – wir werden wiederkommen und wären auch gerne länger geblieben.
Anbei unsere finale Route von ca. 3.100 km.
Blau = tatsächliche Route, Orange = geplante Route. Ein Klick auf das Bild vergrößert die Karte.

Karte

Camping

Zum Thema Camping haben wir Einiges dazu gelernt und ich persönlich muss auch sagen: ich bin positiv gestimmt nach dem ersten WoMo-Urlaub. Klar, es war schwer sich vorher eine wirkliche Vorstellung zu machen, aber wir haben den direkten Vergleich zu unserer letztjährigen 2-wöchigen USA Reise. Da haben wir gleiche Kilometerzahl in der Hälfte der Zeit per Auto und nur mit striktem Hotel-Plan geschafft.
Im WoMo gibt es zwar vor der Abfahrt das übliche Ritual (alle Kabel und Schläuche ab, Fenster zu, alles was umfallen kann weg räumen, den Slide-out einfahren, einmal durchfegen), dennoch bleiben die Dinge an Ort und Stelle und man schleppt nicht ständig seinen Koffer von A nach B.
So hat alles irgendwie seinen Platz, man findet es schnell wieder und fährt eben dort hin, wo es gefällt. (Ein Teil der Leserschaft kennt dies vielleicht vom Boot.)

Unser WoMo haben wir von der Firma CanaDream geliehen.
Die Wohneinheit war 26,5ft lang, inklusive Fahrerhaus 28ft. Das sind umgerechnet 8,5 Meter. Höhe: 3,7 Meter.
Es bot eine komfortable 2,5 Raumwohnung, wir hatten ein Schlafzimmer, ein Wohn- und Esszimmer inkl. Küche, ein kleines Tageslichtbad (!) und dazu noch den Bereich in den Alkoven, der weitere Schlafplätze geboten hätte, für uns aber nur Ablagefläche war.
Durch Gas, Batterien und Tanks an Board kann man weitestgehend 2-3 Tage autark sein, jedoch ist ein Strom- und Wasseranschluss an den meisten Campingplätzen vorhanden und hilfreich.
Aber macht euch hier doch einfach selbst ein Bild von unserem WoMo:

Was dennoch zu sagen bleibt: Wer sich ein WoMo von CanaDream mietet, dem fehlen ein paar Dinge in der Ausstattung:
Schere, Axt und diese kleinen Plastik-Stufen, mit denen man eine Schräglage ausgleichen kann, vermissten wir schmerzlich. Ersteres hatten wir noch dabei, die letzten beiden Dinge nicht.

Und hier noch eine kleine, aber feine Fundgrube von „Camper-Kuriositäten“, die wir im Laufe der Zeit gesehen haben:

  • WoMo’s, so groß wie Busse
  • riesen WoMo’s, die noch einen Jeep Cherokee hinter sich her zogen
  • eine Katze wohnt im WoMo
  • ein autarker Radfahrer inkl. Gepäck und Solarzelle
  • ein Aufklapp-WoMo
  • Und einen habe ich noch: Torsten und Daniel trafen einen Teil einer Schweizer Reisegruppe. Diese waren auch mit mehreren Wohnmobilen unterwegs, mehrere Paare. Nun kommen die erschreckenden Fakten: 12 Paare, 12 WoMo’s, hintereinander her, eine gemeinsame Reise! Hatten wir ein Glück, dass diese Gruppe nie vor uns auf den Campingplätzen auftauchte!!!

    Nun haben wir über unsere Reise berichtet, über das, was gut lief, über das, was fehlte, über das, was gefiel, über das, was missfiel…
    Was ich auf keinen Fall verpassen möchte ist, auf drei sehr wichtige Dinge für das Camping aufmerksam zu machen und mich zu bedanken!

  • Ingmar aus Z. – Auch wenn es nur an einem einzigen Abend Mückenalarm gab, das handelsübliche Autan von Sylvie und Daniel half nicht viel. Herzlichen Dank, dass du an uns gedacht und Deet für uns importiert hast. Ich bin mit nur zwei Stichen davon gekommen!
  • Opa aus M. – Ohne die beiden Ferngläser hätten wir die Grizzly- und Schwarzbären, die Orcas und den Buckelwal bei weitem nicht so gut beobachten können. Auch zur Suche nach den Bibern wurde es mitunter eingesetzt. Danke für den Verleih – sehr hilfreich!
  • PoelPaps – Wenn man mit zwei WoMo’s hintereinander her fährt, gibt es keine bessere Lösung, um sich kostengünstig abzustimmen und auszutauschen – danke für das Ausleihen der Walkie-Talkies!
  • In diesem Sinne, Grüße nach Z. an Ingmar, nach M. an Opa und nach P. an PoelPaps und natürlich an den Rest der treuen Leserschaft – das war der letzte Beitrag zum Thema Kanada, wir hoffen euch hat das Lesen Spaß gemacht!

    Heimwärts

    Ich weiß, ich weiß, der letzte Beitrag wird schmerzlich erwartet und wir haben auch manche sagen hören, wir hätten für diesen Urlaub weniger geschrieben.
    Dazu können wir nur eins sagen: mehr Kommentare zeigen uns, dass wir Leserschaft haben und das wiederum motiviert 🙂
    Nein, im Ernst. Es war dieses Jahr einfach etwas schwierig mit dem Internet und der Verfügbarkeit auf den Campingplätzen, aber dafür waren unsere Beiträge ja auch gehaltvoller.

    Um den Spannungsbogen noch ein wenig mehr zu dehnen: dies ist der vorletzte Eintrag, der letzte ist schon im Entwurf fertig und wird in den nächsten Tagen kommen.

    So – nun geht es aber los.
    Nach Christina Lake zog es uns weiter zurück Richtung Westen, Vancouver sollte bis Freitag erreicht sein. Tagesziel eigentlich das 262 km entfernte Princeton, wir entschieden uns aber aufgrund der guten Straßenzustände doch noch weitere 70 km bis Manning Park zu fahren.

    Auf der Strecke gefiel uns besonders der kleine Ort Greenwood, das grüne und warme Tal rund um den Ort Osoyoos (hier kommt auch der kanadische Wein her) und die Gegend bis Keremeos, wo sich unzählige Obstplantagen und Farmer Märkte befanden. Wunderschön und am liebsten hätten wir alles frisch aufgekauft, jedoch waren wir bereits dabei unsere letzten Vorräte zu verarbeiten und da war kaum noch Luft für noch mehr Obst und Gemüse.

    Der Manning Provincial Park war noch einmal mitten im Nirgendwo. Natur und sonst nichts. Unser Campingplatz war direkt am Lightning See, wunderschön, ruhig gelegen. Torsten und ich gingen noch auf Bieberjagd an einen nahe gelegenen Bieber-See, aber leider hatten wir keinen Erfolg. Na gut, sollte nach den ganzen Bären- und Walsichtungen eben nicht mehr sein. Später lasen wir auch, dass die Bieber an diesem See nicht mehr ganzjährig leben. Toll.

    Der Freitag führte uns dann 170 km weiter, immer parallel zur US-Grenze, bis Fort Langley. Dort wollten wir einen schönen Campingplatz etwas stadtnaher aufsuchen, jedoch mit den Gegebenheiten (Freitag und top Wetter) hatten wir keinen Erfolg mehr. Der Campingplatz war schon voll mit Wochenend-Campern. Wir waren einfach zu dicht an Vancouver.
    Wir fanden schließlich noch zwei Stellplätze in Surrey. Neben den Dauercampern waren wir dort fast allein und es war auch nicht der schönste Platz, jedoch waren wir dort hauptsächlich um Koffer zu packen und am nächsten Morgen zeitig zum WoMo-Verleih zu fahren.

    Kofferpacken ging dann irgendwie doch schneller als erwartet, wir verarbeiteten noch die letzten Reste unserer Kühlschränke zu einem leckeren Menü und schwupps ging es am nächsten Morgen 8 Uhr zu Canadream.
    Die Abgabe lief fast komplett unkompliziert und die Kaution gab es auch zurück. Bei $750 nicht ganz unwesentlich am Ende des Urlaubs 😉
    Einen kleinen Herzstillstand bescherte uns die Mitarbeiterin noch, als sie wortwörtlich sagte „Sie wissen, dass Sie Ihren Generator benutzt haben, oder?“
    Woaaaahhh was? Nein, haben wir ganz sicher nicht benutzt. Hintergrund des Schreckens: ein lediglich einmaliges Anschalten des Generators kostet 150 Euro, da die Wartung angeblich so aufwändig und teuer ist. Wir haben den Generators jedoch aus genau diesem Grund nie benutzt und hatten ja fast immer Strom auf den Campingplätzen, sodass wir gar keine Notwendigkeit dazu hatten.
    Angeblich haben wir uns den Luxus für eine halbe Stunde geleistet. Stimmt natürlich nicht und wurde aus Kulanz auch wieder von der Rechnung genommen. Puhh – was für ein Moment!

    Anschließend wurden wir zum Flughafen gefahren. Dort kamen wir ca. 10 Uhr an. Abflug war allerdings erst am Abend um 20:40 Uhr. Eingecheckt hatten wir bereits am Vorabend, zum Glück konnten wir unser Gepäck (natürlich gegen eine Gebühr) am Flughafen zwischenlagern.
    Dann beliebte es uns noch einmal entspannt mit Handgepäck in die Innenstadt Vancouvers zu fahren. Da wir es in den ersten beiden Tagen nicht in den Stanley Park schafften, war dies nun unser erstes Ziel.

    Der Stanley Park ist 405 Hektar groß und somit der größte Stadtpark Kanadas, der drittgrößte Nordamerikas. Er liegt auf einer Halbinsel und ist mit 200 km Fuß- und Radweg durchzogen, der mitunter auch direkt an der 9 km langen Küstenlinie entlang führt und sowohl Blick auf Downtown, als auch Richtung Norden und auf das Meer bietet. Ein Stück sind wir zu Fuß gegangen, zwischendurch aber auch mit einem Hop-on-Hop-off – Bus gefahren.
    Das Wetter war bombastisch, blauer Himmel, Sonnenschein – die Leute lagen am Strand und waren baden. Außerdem hatten wir noch das Glück, einen Seeotter zu sehen.
    Das war wirklich ein herrlicher Abschied und noch einmal die schönste Seite der Stadt.

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    Anschließend gönnten wir uns noch ein schönes Stück Käsekuchen plus Cappuccino in der Innenstadt und dann ging es am Abend auch schon nach Hause.

    Mit Umsteigen in London und einer verspäteten Landung in Berlin inkl. anschließendem Gepäckverlust melden waren wir dann um 20:45 Uhr zu Hause.
    Das fehlende Fahrrad-Gepäckstück wurde uns schon heute nach Hause geliefert und nun sind wir, unsere gesamten Sachen, viele schöne Erinnerungen und Fotos wieder zu Hause.

    Unsere ersten Gedanken waren „oh wie groß ist unsere Wohnung“ und „wie bequem unser Bett nur ist“ – nicht, dass es uns im WoMo nicht gefiel, aber zu Hause ist es doch am Schönsten.
    Auch die erste Autofahrt war für Torsten etwas komisch. Plötzlich passiert wieder etwas, wenn man auf das Gaspedal tritt oder am Lenkrad kurbelt 🙂

    Ein letzter Artikel folgt noch, bevor wir hier im Blog vorerst mit Kanada abschließen. Stay tuned!

    Region West Kootenay

    Wie zuletzt erwähnt, fanden wir einen netten Campingplatz am Upper Arrow Lake (Blanket Creek RV Park) und fröhnten dort dem ersten Feuer in Kanada.
    Von hier aus zogen wir am folgenden Tag weiter gen Süden. Erste markante Stelle: Shelter Bay – ein kleiner Fährhafen, der kostenlos auf die andere Seeseite übersetzt.
    Die Gegend wurde merklich einsamer, was uns absolut entgegen kam. So wollten wir es haben. Ein weiteres Zwischenziel sollte Nakusp sein, gelegen am unteren Ende des Upper Arrow Lakes. Hier legten wir einen kleinen Stopp ein, schauten uns kurz im beschaulichen Örtchen um, informierten uns im Touristenzentrum (welches mal wieder 1A war) und fuhren weiter, nun eher leicht östlich in Richtung Kaslo (Highway 31A).
    Ab Nakusp wurde die Strecke nun enorm beschaulich. Die entgegen kommenden Fahrzeuge waren an einer Hand abzuzählen, das Wetter wurde regnerisch und wir waren alleine in der Natur unterwegs. DAS ist eben auch ein Teil Kanada, viel Weite, enorm viel Natur und nicht immer perfektes Wetter. Uns hat es sehr gut gefallen.
    Einen kleinen Ausflug zu alten Zedernbäumen hatten wir uns dann aufgrund der Wetterlage geschenkt, zwei einsame Rehe am Strassenrand verweigerten uns die Aufnahme. Sonst weit und breit kein (sichtbares) Tier.
    Kaslo, mit ca. 1000 Einwohnern das Zentrum der Region und am Kootenay Lake liegend, sollte das maximale Tagesziel sein. Im Reiseführer fanden wir einen wirklich netten Campingplatz (Cedar Bay) kurz hinter der Stadt. Mit total freundlichem Verwalter. Seine Gastfreundlichkeit animierte uns gleich einen Tag länger zu verweilen.
    Am folgenden Tag zog es uns zurück nach Kaslo ins Touristenbüro. Schnell fanden wir eine Idee für den Tag: Lachse beim Wandern beobachten. Mit Potenzial auf Grizzlybären. Oh ja, das wollten wir. Allerdings wurde aus den vermeintlich 20 Minuten Fahrt fast eine Stunde. Aber halb so wild, wir fanden zu dem netten Fleck Erde und konnten nun auch die rot gefärbten Kokanee Lachse im Wasser beobachten. Wie ihr sicher wisst, ziehen Lachse zum Laichen die Flüsse hinauf. Ein Spektakel – sehr gerne auch von Bären angenommen. Das Gebiet war definitiv Grizzly Land, wie auch die Schilder eindringlich aufzeigten. Der kleine Park wurde auch nur zwischen 10 Uhr und 14 Uhr geöffnet. Zu anderen Zeiten sind dort die Grizzly unterwegs, zu der Zeit auch gerne mit Nachwuchs (und das erzeugt gerne eine kritische Situation). So haben wir auch leider keine Grizzly gesehen.
    Zum Nachmittag zog es uns erneut nach Kaslo, welches einen beschaulichen Stadtkern aufweisen soll. Nun, es dreht sich im Grunde um eine Strasse, nette Läden hier und dort, viel mehr aber auch nicht. Wir folgten noch einem kleinen Wanderweg entlang des Sees und endeten dann doch an einer Fish & Chips Bude, die von Mitreisenden schon am Tag zuvor entdeckt worden war 😉
    Also sündigen und wirklich leckeren Fish mit selbst geschnittenen Pommes naschen. Leecker.
    Am Abend, und zurück am Campingplatz, zündelten wir noch einmal ein Lagerfeuer. Der Chef hatte uns extra kleine Holzstücken (kostenlos) bereit gestellt. Unglaublich netter Typ.
    Heute pilgerten wir weiter hinab den Kootenay Lake mit Zwischenziel Nelson, kulturelles Zentrum der Region und auch sehr hübsch. Ein kleiner Abstecher auf einen lokalen Markt, ein Gang durch die Baker Street – quasi die mit alten Häusern gesäumte Hauptstrasse – gefolgt von einer Fahrt mit einer alten Strassenbahn aus Holz entlang der Seeseite der Stadt. Hübsch und die Gegend einsame Spitze.
    Final führte es uns heute zum Christina Lake (ganz ganz sicher benannt nach einer lieben Freundin!). Christina Lake gilt als wärmster See Kanadas, da nicht primär von Gletscherwasser gespeist. So konnte ich es mir auch nicht nehmen, einmal in Christina zu planschen. Schade nur, dass das Wetter suboptimal war. Kalter Wind, wenige Striche auf dem Thermometer. Aber als ehemaliger Inselbewohner kennt man keinen Schmerz und so sprang ich in die Fluten. Och, ganz angenehm, wenn man dann mal drin ist. Draussen war es unangenehmer.
    Zurück am Campingplatz fragten wir dann noch nach dem angeblich beheizten Aussenpool und die nette Dame gab uns jenen noch frei („so ca. 26 bis 28°C“). Verlockend. Aber leider nicht realistisch. Die Mädels waren tapfer und kamen mit mir ins Wasser. Dort hielt es uns aber nicht lange, was ganz sicher den etwas zu optimistisch geschilderten Temperaturen geschuldet war.
    Ab morgen rückt Vancouver wieder ein Stück näher und somit der Urlaub dem Ende. Wir berichten später.

    Banff – schön und etwas enttäuschend zugleich

    Wie im letzten Beitrag beschrieben, führte uns die letzte Teilstrecke von Salmon Arm in den Banff Nationalpark. Revelstoke ist einer der größeren Orte, der auf der Strecke liegt – hier war Einkauf, Auftanken und Bargeld abheben angesagt.
    In Banff angekommen, wählten wir einen der großen Campingplätze am Tunnel Mountain. Dies war wirklich der erste Platz, auf denen Massenabfertigung auf dem Programm stand. Es gab keine richtige Rezeption, keinen Laden, keine Waschmaschinen. Die einzelnen Stellplätze an sich waren aber schön im Wald integriert, mit Picknick-Tischen und ein paar Bäumen drum herum.

    Am ersten Abend ging es für Torsten und mich noch einmal spontan in die Stadt. In der Stadt Banff – die die höchstgelegene Kanadas mit 1.400m ü.NN. ist – gibt es drei Buslinien. Alle drei Linien verkehren alle 40 Minuten. Wir hatten Glück mit der Taktung und waren nach einer 10-minütigen Fahrt in der Innenstadt angekommen. Eine kleine, nette Einkaufsstraße mit nur zweietagigen, hübschen Häusern und jeder Menge Läden, Restaurants und Pubs hieß uns willkommen. Sehr touristisch. Nachdem wir auf dem Campingplatz schon so viel leckeren Geruch vom Grillen der Nachbarn vernommen hatten, lockte es uns in ein Lokal namens Coyotes Grill. Dort gab es für uns dann auch lecker Steak und Burger.

    Und an dieser Stelle die kleine Anekdote, auf die Torsten zuletzt schon verwiesen hat. Das Stichwort war, dass wir bisher wirklich Glück hatten mit dem, was wir schon gesehen und erlebt hatten. Im Restaurant kamen wir mit einem Ehepaar aus Chicago ins Gespräch. Es war ihr letzter Abend in Banff, bevor es über Montana wieder mit dem Zug zurück nach Hause ging. Sie hörten so begeistert und gefesselt zu, als wir von unseren Bären- und Walsichtungen erzählten – wohl bemerkt Grizzly- und Schwarzbären, sowie Orca und Buckelwal – das wir fragten was sie gesehen hätten. Antwort: Eichhörnchen und einen Hirsch. Oh je! Soviel dazu…

    Am Folgetag zogen wir zu fünft in die Stadt, um uns zunächst im Visitor Center zu informieren und dann einen Plan für die verbleibenden Tage zu schmieden. Anschließend gab es noch einen Bummel durch die Stadt und dann ging es einen kleinen Wanderweg am Bow River entlang, an kleineren Wasserfällen vorbei, bis hin zum weltberühmten Fairmont Hotel. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Camping Platz zog es Torsten und mich dann noch in die Hot Springs auf der anderen Seite der kleinen Stadt. Diese heißen Quellen (27° und 40°) sollten etwas zur Entspannung am Abend beitragen. Na ja, sagen wir so – das Preis- Leistungsverhältnis war gut. Mit unserem Rabatt von Canadream (Vermieter des WoMo’s) haben wir pro Nase $6 bezahlt, geboten wurde dafür ein gefliester Pool mit 40° warmen, chloriertem Wasser – alles andere als natürlich. Zeitweise habe ich 70 Personen im Wasser gezählt. Schade, aber für das Geld in Ordnung. Nach 45 Minuten war es uns dann wirklich zu heiß und wir beendeten das Geplansche.
    Jetzt kommen wir zu einem der Haken an Banff – wie oben beschrieben: 3 Buslinien. Wir mussten nun auf dem Rückweg umsteigen. Pech gehabt – unser Bus Richtung Campingplatz stand an der Haltestelle und fuhr los, als der Bus, in dem wir saßen, an der Haltestelle ankam. Der aufmerksame Leser wird nun schon wissen was kommt: 40 Minuten Wartezeit! Dies um 9 Uhr abends! Nee, wirklich nicht! Klar, man hätte in eine Bar stolpern und ein Bier trinken können, wir entschieden uns an diesem Abend aber (zunächst) für die sportliche Variante und liefen zu Fuß zum Campingplatz. Ja richtig, ich schrieb zuvor, dass dieser am Tunnel Mountain ist. Die Betonung liegt auf Mountain = Berg. Gegen 10 Uhr waren wir dann am WoMo – dann gab es aber wirklich noch ein Bier.
    Etwas kniffelig fand speziell ich, dass die Straße nicht durchgehend beleuchtet war – und wir sind immerhin im Bärenland.

    (Am nächsten Tag trudelten auch schon eure ersten Anfragen ein, ob wir noch am Leben sind, weil so lange kein Blog-Eintrag kam. Nein – es ging alles gut, wir wurden nicht zu Bärenfutter verarbeitet und haben lediglich eine suboptimale Internetsituation auf unseren letzten und aktuellen Campingplätzen.)

    Der zweite, komplette Tag in Banff verlief für uns fünf in zwei Gruppen. Sylvie, Daniel und Niklas waren am Lake Minnewanka , während Torsten und ich mit dem Bus (die gleiche Route inkl. Umsteigen vom Vorabend) zur Gondel fuhren. Dort startet ein Wanderweg auf einen der höheren Berge um den Ort Banff herum. Knapp 600 Höhenmeter, 5,5 Kilometer Wegeslänge und 1 Stunde 45 Minuten später standen wir oben. Das war eine schöne, aber auch anstrengende Tour zugleich. Am Gipfel ging es noch ein Stück weiter hoch, als die Gondel fährt und wir hatten einen herrlichen Überblick über Banff und den Nationalpark. Für den Rückweg entschieden wir uns für die Gondel.
    Der Haken an dem Ausflug: es war Samstag und der Gipfel, wie auch das Anstehen an der Gondel, erinnerte mich an Massentierhaltung. Keine Ahnung woher die alle kamen aber es waren ganze Busgruppen unterwegs und selbst auf dem Trail bergauf war einiges los. Wir haben also außer Eichhörnchen auch keine Tiere sehen können. Schade.
    Der Rückweg führte uns wieder mit dem Bus nach Hause – wer keine Lust auf eine zweite Bus-Geschichte hat springt hier bitte direkt zum nächsten Absatz.
    Also – wir wieder mit dem ersten Bus bis in die Innenstadt. An diesem Tag sollte erstmalig ein Triathlon in Banff statt finden und die Hauptstraße war gesperrt, auch der Bus fuhr eine Umleitung. Soweit okay. Wussten wir vom Vorabend. In der Innenstadt angekommen und an der Ersatzhaltestelle ausgestiegen war es 17:50 Uhr. Bis 18:16 Uhr standen wir dort und warteten auf den Bus. Nix passierte. Der Bus sollte 18:02 Uhr kommen, wobei wegen des Triathlons mit Verspätungen zu rechnen war. Na ja. Dann vor zur Hauptstraße gelaufen sehe ich plötzlich, dass die Umgehung bereits aufgehoben wurde. An der Ersatzhaltestelle aber kein Hinweis dazu. Toll. Vorgegangen zu eigentlichen Bushaltestelle – der nächste Bus kommt in 26 Minuten. Super. 19 Uhr waren wir dann zu Hause. Auf den ersten Bus hatten wir seit 17 Uhr gewartet – in Summe also 2 Stunden für eine Strecke von ca. 6km.

    So schnell sind 2,5 Tage in Banff auch wieder rum und der Folgetag führte uns zunächst nach Lake Louise, was auch noch im Banff Nationalpark liegt. Statt über den großen Highway, fuhren wir eine kleinere Straße und hatten noch ein paar schöne Ansichten auf die Rocky Mountains, Flüsse und in die Wälder.
    Der Lake Louise soll der meist fotografierte See weltweit sein und war wunderschön, nur leider wieder – total überfüllt! Wir haben keinen Parkplatz bekommen und am Rande des Sees quetschten sich die Busgruppen nur so.
    Der Weg führte uns dann zurück nach Revelstoke – die einzige Doppelstrecke, die wir während der 4 Wochen eingegangen sind, und dann noch 22 km südlich auf einen kleinen abgelegenen Campingplatz mitten im Grünen am Upper Arrow Lake.
    An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass wir in Revelstoke noch einmal den selben Supermarkt, wie ein paar Tage zuvor, angesteuert haben, weil es da endlich mal ordentliches Brot gab. Juhuu 🙂

    Vielleicht hatten wir es mit den Tagen Donnerstag bis Sonntag wirklich schlecht abgepasst, aber wir waren wirklich enttäuscht von den Menschenmassen bei der Gondel und dem Lake Louise und auch von den Buszeiten. Wie kann man denn nur drei Buslinien haben und die Abfahrtszeiten so gar nicht aufeinander abstimmen? Auch der Campingplatz war eher auf Masse, denn auf Klasse eingestellt (mehr als 600 Stellplätze!).
    Gefallen hat uns die Natur und auch das Wetter war sagenhaft, jeden Tag strahlend blauer Himmel und Sonne, dennoch mussten wir morgens im WoMo ordentlich heizen, denn Nachts wurde es schon richtig kalt und die Wände haben eine Dämmung von circa Null :-/

    Inzwischen sind wir weiter gezogen, uns bleiben noch 5 Tage, aber davon lest ihr dann im nächsten Eintrag mehr.

    Whistler – Willkommen im Paradies der Gravity Fraktion

    Whistler, für Daniel und mich quasi das Mekka der abwärts orientierten Mountainbiker. Whistler ist DER Standard in Bezug auf einen amtlichen Bikepark. Das wird auf der gesamten Welt so gesehen. Da wir nun schon eine geraume Zeit ohne Rad unterwegs waren, mussten wir hier (ganz egoistisch) ein paar Tage Stopp einlegen. Der RV Park war nett gelegen, etwas abseits vom bunten Trubel und etwas näher an der Natur. WiFi wurde zwar angepriesen, war aber bei unseren Plätzen faktisch nicht vorhanden. Egal.
    Der erste Abend wurde mal gleich mit $45 für nicht artgerechtes Parken bezahlt. Wir mussten noch einkaufen, also mit dem fahrenden Haus ab in die Stadt. Enger Parkplatz – ergo habe ich 4 Stellplätze belegt. Das fand die örtliche Ordnungsmacht wohl nicht so lustig (obwohl anders kaum machbar) und hat mich mit einem Ticket belohnt. Aber! Die Abwicklung des Zahlvorganges war mal super modern, online und mit Kreditkarte bzw. per Brief und Geld im Umschlag. Ist der Vorgang nach 7 Tagen nicht abgewickelt, so würde der Spaß gleich $70 kosten. Nun ja 😉

    Für uns Jungs stand für alle drei Tage der Bikepark auf dem Programm. Tag eins begann damit, dass wir gleich mal viel zu früh an der Gondel auftauchten. So richtig geöffnet wird erst ab 10 Uhr, manche Gondel nimmt gar erst ab 11 Uhr Räder mit.
    Also, in den ersten Lift – Staunen! Grinsen! Vorfreude!
    Der Park ist einfach fantastisch, ein Eldorado für uns. Pikfein angelegte Trails aller Schwierigkeitsgrade, von flowig über Sprung-lastig bis hin zu rumpelig und sehr technisch und extrem steil. Gelegentlich auch alles in Kombination. Tag eins gab uns einen schnellen Einblick in die Vielfalt des Parks und wir waren schlichtweg begeistert. Der Berg barg noch mehr Potenzial für die folgenden Tage.
    Die Mädels (samt Niklas natürlich) mussten sich am ersten Tag selbst vergnügen und starteten mit einer Bummeltour durch Whistler, trafen uns Männer an der Gondel zum Mittag und bummelten anschliessend weiter durch zahlreiche Shops (Whistler mag man sich im Winter kaum vorstellen, hier trifft sich die Schickeria von Vancouver, zeigt was man hat und der Ort platzt aus allen Nähten). Hier wurden auch Pläne der Mädels für die kommenden Tage geschmiedet.

    Tag zwei: Jungs zum Biken. Was sonst 😉
    Heute lief es deutlich besser, wir kannten ein paar der Abfahrten vom Vortag und erkoren neue Trails als wahre Alleskönner und unsere Lieblinge (Blue Velvet, Crank it up, Duffman, A-Line, Schleyer, Crack Addict, Joyride (oh ja!), New Joke, ….. soooo viele).
    Die Damen und der Zwerg hatten sich für den Nachmittag eine Wanderung durch die Baumkronen über Brücken und Plattformen gewählt (ein sogenannter Canopi Tree Walk). Die Tour dauerte leider nur 1,5 Stunden statt der angepriesenen 2 Stunden und war wohl eher etwas enttäuschend, da es ein sehr kurzer Weg war und doch zu viel vom Guide zwischendurch erzählt wurde. Sehr schade. Auch, wenn das Gesehene sicherlich interessant war. Darauffolgend kümmerten sich die Frauen um Fleischzufuhr, besorgten entsprechendes Grillgut und liehen einen Gasgrill am Campingplatz. Nicht ganz billig, aber wir hatten bis dahin nicht ein einziges Mal gegrillt oder auch nur ein Lagerfeuer gemacht. Schrecklich!
    Die Steaks gelangen nicht perfekt, aber der Grill war nun auch eher nicht so vertraut.

    Tag drei sollte der letzte Tag für uns Jungs im Bikepark sein. So hatten wir für diesen Tag den „Top of the World“ Trail angedacht – eine (angeblich) spektakuläre Abfahrt von der Spitze des Berges. Die regulären Lifte und Gondeln des Bikeparks fahren nicht komplett bis auf die Spitze, man muss sich diese eine Abfahrt quasi erkaufen. Für $17 und entsprechend frühzeitige Anmeldung wird man für den finalen Lift zugelassen. So taten auch wir.
    Der Ausblick von dort oben soll Atem raubend sein. Blöd nur, dass wir nicht sonderlich viel Glück mit dem Wetter hatten und permanent Nebel die höheren Ebenen umschloss. Im Wechsel mit tief hängenden Wolken. Ja gut, zum Radfahren mag ich das Klima. Etwas kühler, nicht so stickig.
    So fuhren wir durch geisterhaften Nebel hinauf zum Gipfel, jeder für sich alleine im Lift. Schon komisch. Besonders dann, wenn unter einem ein tiefer Abhang klafft. Gruselig.
    Der Trail bot keine tolle Aussicht, war aber für sich genommen wirklich sehr gut. Schnell, technisch, einfach wunderbar.
    Wir beendeten unseren Tag im Bikepark mit dem guten Gefühl, näherungsweise alle Trails mindestens einmal gefahren zu sein. Ja, eventuell nicht wirklich alle, aber wir waren nahe dran. Viele davon aber mehrfach. Für mich persönlich ein fantastisches und in Erinnerung bleibendes Erlebnis.
    Kristin hatte sich für den Tag ein Rad geliehen und startete eine Tour vorbei an Whistler und diversen Seen, um sich anschliessend mit Sylvie und Niklas am Green Lake zum Mittag zu treffen.
    Gegen Nachmittag übernahm Daniel den kleinen Niklas und die Mädels begannen ihren wohl verdienten Ausflug in den Abend. Auf dem Programm stand eine Bärentour von 17 Uhr bis 20 Uhr. Beste Bärenzeit. Ergebnis: sechs Schwarzbären, darunter Bärenmänner und Bärenfrauen und ein Bärenkleinkind. Fette Ausbeute! Die Tour hatte sich erneut gelohnt.
    (ich glaube ja, dass wir dazu Talent haben … dazu eventuell mehr im Blogeintrag zu Banff).

    Der kommende Tag sollte uns nach Banff führen, wenn auch nicht direkt. Wir haben den weiten Weg mit einem Zwischenstopp in Salmon Arm unterteilt. Der Weg raus aus dem Gebiet um Whistler war noch einmal sehr schön, gefolgt von einer eher trostlosen Gegend um Kamloops (auch ein Bikeparadies) bis nach Salmon Arm. Am Tag darauf ging es dann von Salmon Arm nach Banff. Beide Tage rund 400km Fahrt, die mit dem WoMo auch erst einmal hinter einen gebracht werden müssen.
    Im nachfolgenden Beitrag dann mehr von Banff.